Mittwoch, 1. Februar 2017

Menschen am Buffett...eine Studie

Wer mich kennt, weiss, dass ich mit dem hiesigen Winter nichts anfangen kann, und sooft wie möglich in den kalten Monaten der Sonne hinterherreise.
Ich wohne dann gerne in  guten Hotels, und in diesen esse ich mindestens morgens, in Ägypten im Club aber auch ganztags, mit vielen anderen Urlaubern vom Buffett.
Vorweg: Ich bin kein Buffett-Fan. Aus Gründen, zu denen wir teilweise später noch kommen.
Seit Jahren beobachte ich nun also Menschen am Futtertrog, und stelle dabei fest, dass es unterschiedliche Buffett-Typen gibt.
Selbstverständlich sind meine Beobachtungen von einer unabhängigen Universität und einem Forschungsinstitut bestätigt worden. Es handelt sich also keineswegs um das Klischeedenken einer vielreisenden Foodbloggerin. Nur, damit ja keine Missverständnisse aufkommen, oder jemand denkt, ich könnte mir da was ausgedacht haben.

1. Der Drängler 
Einer der Gründe, warum mir persönlich Buffets nicht zusagen, sind die UNMENGEN, die dort zur Verfügung stehen, und zwar in vielen Hotels bis zum bitteren Ende, um dann teilweise ungegessen im Müll zu landen.
Der Drängler hingegen hat Sorge, nicht genug abzubekommen, muss immer mal noch kurz zwei Leute, die mit Fleisch und Sosse hantieren, zur Seite schieben, weil er die Möhrchen vergessen hat. Wortlos natürlich, er hat ja Ellenbogen. Man könnte sich ja blamieren, weil die beiden Sossen-Jonglierer vielleicht nicht die gleiche Sprache sprechen. Von einem gewissen Abstand, den eigentlich jeder vernünftige Mensch gerne hat, um sich mit einem Teller Leckereien zu bewegen, hat er noch nie was gehört oder gehalten. Tuchfühlung ist Standard. Das ist der Typ Mensch, der einem an der Kasse mit dem Einkaufswagen in die Hacke fährt. Der Drängler ist gehetzt und hat auch immer das Falsche ausgewählt und ist notorisch unzufrieden.
Das kann dem nächsten Typus nicht passieren.....

2. Der Gierige
....geht acht Mal zum Buffett, und braucht dann einen Säurebinder und ein bisschen Zuspruch, weil die Hosennaht zwickt. Aber ist halt alles so lecker hier.
Teile meiner engsten Verwandschaft gehören zu diesem Typus, ich kenn mich damit also bestens aus.
Der Gierige gelobt täglich Besserung, und machts am nächsten Tag genauso. Weils eben so lecker ist.

3. Der Kommentator
Diesen Typus finde ich mit am fiesesten. Der Kommentator weiss alles, und zwar besser. Er wüsste auch besser, wie Du Dich zu ernähren hättest, auch wenn er dreimal soviel wiegt wie Du. Und er scheut sich nicht, Dir das mitzuteilen. Und doziert kauend und gabelschwingend über DAS richtige Essen.
Ich wurde mal im Club an einem 8er Tisch, als ich mit meinem Nachtisch (ich LIEBE Nachtisch!!!! Ich verzichte gerne mal auf den einen oder anderen Gang, aber her mit dem Süsskram. Und dieser war fettgebacken. Also der Himmel. Und ich hatte an diesem Tag circa 3 Stunden Yoga hinter mir.....aber ich schweife ab, wo war ich....achja.....Klammer zu ) als ich also mit meinem Nachtisch zurückkam, mich sittsam setzte und mir die Serviette auf den Schoss legte, von meinem mir unbekannten Sitznachbarn angesprochen, wie ich denn gedächte, soviel Nachtisch wieder abzutrainieren.....Gottseidank fiel mir wenigstens ein "was gehts Dich an" ein. Im letzten Urlaub stand ein Mann in Nilpferdgrösse neben mir, und kommentierte meinen Nachtisch ( von dem UNMENGEN auf einem Silbertablett vor uns lagen) mit "jetzt reichts aber". Der Grossteil meines Nachtischs bestand aus Obst....
Ich bin auf Kommentatoren besonders allergisch, und Knigge gibt mir recht, Bemerkungen zur Essensauswahl des Tischnachbarn ist unfein.

4. Der Blockwart
Er weiss, wie man sich wo richtig anstellt. Und guckt jedem auf die Finger, damit auch ja alles richtig gemacht wird. Zeigt einem die Gebäckzange, wenn man das Brötchen mit den Pfötchen nehmen will.
Weicht trotz freundlicher Anfrage keinen Zentimeter, wen er mal am Futtertrog und "dran" ist.
Reicht gerne mal Servietten quer übern Tisch, wenn ein kleines Malheur passiert. Mütter, Krankenschwestern und Stewardessen sind besonders gefährdet, Blockwarte zu werden....
Ich habe grosse Neigungen, einer zu sein, also gebt mir bloss keine Trillerpfeife in die Hand im Gastraum, ich hab nämlich Asthma.

5. Der Hamster

Der Hamster hat einfach alles auf seinen Tellern (Plural!), egal, wieviel er davon dann isst.
Er möchte sämtliche Speisen bei sich auf dem Tisch stehen haben, in grosser Auswahl, und mehr als die Hälfte lässt er dann stehen, ist ja egal, ist ja inklusive. Wenn der Hamster Kinder dabei hat, bemehmen die sich in aller Regel unter aller Sau, und dürfen sich am Zapfhahn soviele Softgetränke wie sie wollen holen, ist ja egal, ist ja inklusive.

6. Der Unentschlossene 

Viele jammern nach einem All-inklusive Urlaub über Gewichtszunahme, weil, siehe Punkt 2.
Der Unentschlossene ist vom Überangebot völlig überfordert, das Anstehen ist ihm eine Last, er mag sich lieber unterhalten, als nochmals den Tisch verlassen, um noch was von dem köstlichen Kalbsfilet....
...ich gehöre zu diesem Typus. Ich laufe dreimal im Kreis, nehme mir dann meist etwas Simples, und steh erst wieder auf, wenns Fettgebackenes zum Nachtisch gibt. Glücklicherweise komme ich aus Buffett Urlauben immer leichter an Körpergewicht heim. Hat was für sich.
Der Unentschlossene nervt aber seine Mitmenschen auch tierisch, weil er viel im Weg steht und guckt. Und falschrum ansteht. Weil er ja nur kurz die Möhrchen....

Alles in Allem ists am Buffett wie im Supermarkt oder im Strassenverkehr. Wenn man es gelassen angeht, ein Kinderspiel.
Ich finde es herrlich, während des Genusses eines Birchermüslis die Menschen zu beobachten.Und mit einem inneren Augenzwinkern den einen oder anderen oder mich selber zu enttarnen.
Findet Ihr Euch auch wieder? ;-)


 

Kommentare:

  1. Herrlich! Sehr treffend beschrieben. Deswegen habe ich es auch nicht so mit Buffet.
    Liebe Grüße!

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    1. Wir beide standen ja auch schon vor einem Buffet, stimmts? ;-)

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  2. Köstlich! Ich selbst komme ja auch öfters mal in den "Genuss" von Buffets, und die Szenen, die sich manchmal dort abspielen, haben mich so manches Mal hungrig wieder nach Hause gehen lassen. Wie meinte mein Mann einmal: "Du würdest noch vor dem Buffet verhungern". Mein absolutes Hass-Szenarium (kein Witz, selbst öfters erlebt): Man positioniert sich mit einem Gesprächspartner direkt am Buffet, schaufelt sich den Teller voll und beginnt dort zu quatschen, ohne die anderen vorrücken zu lassen. Zwischendurch wird mit der eigenen (!) Gabel nachgeladen, gegessen, weitererzählt. Ich nenne jetzt keine Namen, aber ein ehemaliger italienischer Ministerpräsident stand so mal vor mir am Buffet.
    Ich sage dann immer zu meinem Mann: "Hier sind ja auch mal wieder die ganz Armen versammelt, die sonst nichts zu essen haben!"

    Saluti
    Ariane

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    1. Wo ist hier das Emoticon mit den grossen Augen, ich bräuchte es gerade :-D

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  3. Sehr gut, jetzt habe ich aber gelacht!

    Ich muss gestehen, so eine Mischung zwischen 2. und 4. bin ich wohl. Wir haben schon sehr sehr sehr viele Buffets gesehen und ich habe selbstverständlich sehr sehr sehr viel von ihnen gegessen.

    Das absolute Highlight haben wir mal im Elbsandsteingebirge in Hohnstein erlebt. Zum Frühstück setzte sich dort jeden Morgen ein Ehepaar ganz früh und ganz weit weg von allen anderen Gästen in eine Art Séparée. Dann gingen sie zum Buffet und holten sich so viele Dinge, dass ich aus dem Staunen nicht mehr raus kam und mich fragte, wie man so viel morgens essen kann. Bis ich die Plastiktüte sah (so groß wie eine Einkaufstüte aus dem Supermarkt). Da wurde alles reingestopft, fein säuberlich in Servietten verpackt, in eine unscheinbare zweite Tasche gepackt und tagsüber verzehrt. Ich war und bin immer noch fassungslos. Kuba war auch schlimm, da hab ich mich nur noch fremdgeschämt.

    Was mich morgens am meisten nervt, sind Leute, die vor den mich ebenfalls nervenden Kaffeeautomaten stehen und vier oder sechs oder was weiß ich wie viele Tassen abzapfen, das geht mir auf den Geist. Da möchte ich dann am liebsten erst mit der Trillerpfeife trillern und dann laut schreien: "Jetzt reicht's aber!!!"

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    1. ....stimmt, Jutta! Den HamsterHamster habe ich tatsächlich vergessen. Den gibts auch fast überall.
      Toll finde ich, dass es in manchen Hotels freundliche Lunchtüten gibt, in denen man offiziell ein geschmiertes Brötchen oder etwas Obst mitnehmen darf. Das finde ich z.B. vor dem Flug sehr angenehm, um dem Flieger-Essen aus dem Weg zu gehen.
      Und dort wiederum beobachte ich dann, dass die Gäste eher sorgsam mit diesen "Vorräten" umgehen.

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  4. Treffend beschrieben. Ich finde mich nicht wieder, weil ich Buffets ganz und gar nicht mag. Vielleicht bin ich die, wenn es denn sein muss, die in kleinen Häppchen dann von allem nur das Beste nimmt ;)

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  5. Großartig! Die Hamsterer gerne ergänzen.
    Bei mir kommt es sehr darauf an, wie der Tag war und welche Art Buffet es ist. Auf der Colorline nach Oslo gibt es ein opulentes Buffet, monatlich wechselnde Zusammensetzung. Aber Seafood ist fix gesetzt und ein paar Spezialitäten für die Norweger zur Einstimmung auf die Heimat. Es werden zwei Essenzeiten vergeben, damit sich keiner kloppt, das sagt schon alles. Wir waren in der zweiten Gruppe, damit es ruhiger war. Die Massen ignoriert, die sich um Schnitzel, Pommes und Schweinebraten fast prügelten. Und dann entdeckte ich die Meeresfrüchte. Satt. In Schale. Mit frischer Zitrone und frischem Dill. Tja, die Kellnerin war fasziniert, weil sie noch eine Frau so leidenschaftlich Krebse und Kaisergranat hat genießen sehen. Danach waren meine Hände blutig, weil es keine Zangen gab, sondern alles mit den Händen aufgebrochen werden musste und sehr duftend, aber ich unendlich glücklich. Kein Eiweißschock oder so. Nur Seeliges Bäuchleinreiben. Und nach etlichen Malne Händewaschen gab's im Dutyfreeshop duftende Handcreme. Unvergesslich, denn bei Knieper und Granat werde ich schwach.

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  6. Es ist eigenartig. Auch wenn ich sonst im Leben vielleicht alles bin, was Du beschreibst, auch mal Drängler und vor allem unentschlossen, - am Buffet bin ich der disziplinierteste und strukturierteste Mensch, den es gibt. Also, nicht, dass ich da besonders höflich wäre. Aber ich weiß immer exakt, was ich will, stoße blitzschnell vor und verschwinde mit den besten Sachen. Überfüllte Teller sind gar kein Thema, weil ich nur das nehme, was mir schmeckt. Und mir ist es auch nicht peinlich, mehrfach über den Büffet zu kreisen.

    Aber die anderen Leute hast Du natürlich super getroffen, Mel!

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