Donnerstag, 11. Juli 2013

Jeden Tag ein Buch – Eine Interpretation: Babettes Fest Gastbeitrag von Marion P.

 
Aus dem Klappentext:
„Die französische Meisterköchin Babette läßt mit ihrem exquisiten Dinner eine träge Dorfgemeinschaft für wenige Stunden ihren tristen Alltag vergessen. Unter Babettes Händen verwandelt sich das Abendessen in ein romantisches Fest der Sinne, einen erlesenen Genuß für Körper und Geist“
 
Babettes Fest“ von Tania Blixen , Manesse Verlag, Zürich

 
 
 
Das kleine Büchlein, über das ich erst vor etwa einem halben Jahr unter dem Weihnachtsbaum stolperte, erschien erstmals 1950 in einer amerikanischen Zeitschrift und wurde 1987 verfilmt. Für die meisten sicher ein altbekannter Hut, aber für mich ein echtes neues Fundstück und ein Genuss-Buch, wie es im Buche steht. 
 

 
 
Ich bin froh, dass ich es nicht schon vor vielen Jahren gelesen habe, denn dann hätte ich diese kleine, im Grunde eher traurige Geschichte aus anderer Perspektive gesehen und nicht so persönlich nehmen können. Und so positiv. Und den Film werde ich mir nicht ansehen... dafür habe ich meine eigene Regie.
 
„Babettes Fest“ spielt in einer anderen Zeit, in einer anderen Welt, irgendwo in einem norwegischen Dorf, in das sich 1871 eine Köchin aus Paris flüchten muss und dort als Hausmädchen dient. Sie kommt in eine äußerst puritanisch lebende Sekten-Gemeinde, für die Genuss und Überschwang eher zu den Sünden zählen. Die mit Inbrunst und Freude ihren „Propheten“ ehren, sich vieles versagen, um anderen zu helfen, darunter auch die Liebe und das Ausleben ihrer Träume und Entfalten ihrer Fähigkeiten.
 
Das hat alles nichts mehr mit der Welt zu tun, in der wir leben... mit mir. Oder doch?
 
Doch! Weil das meine ganz eigene Interpretation dieser Geschichte ist.
Und deshalb musste ich hier mitmachen! An diesem „neumodischen“ Internet-Event mit Facebook-Gruppe (Danke Arthurs Tochter! ... Auch für Dein(en) Blog!)
Denn ich habe über dieses Medium in den letzten zwei, drei Jahren so viele wunderbare Menschen kennen gelernt, nicht nur durch Einblicke in ihre Küchen und Töpfe, manchmal auch Köpfe, sondern auch persönlich.  Ich habe über Zubereitungsfeinheiten und Produkte erfahren, über Verzicht und wahren Genuss, über gute und schlechte Lebensmittel, Bio und Gentechnik, Überfluss und Nachhaltigkeit, über schlechte Zeiten und unerfüllte Träume, Fast- und Slow-Food, Fasten und Fressen, Monokulturen und Fair Trade, Gewürze, Gewächse, Liebe zum Kochen und zum Detail....ich arbeite dran!  Ich lerne! Und ich darf sogar gastbloggen, ab und an, danke an die liebe Pimpimella!

Aber ich habe auch unvergessliche Tage und Nächte erlebt in gemeinsamer Runde, die mindestens so schön waren, wie der, den Babette, die Meisterköchin, den übrigen Protagonisten des Büchleins beschert. Durch ihre Kunst, die Kochkunst!
(Und ok... Alkohol war auch im Spiel... ;-) )
 
Wer es noch nicht kennt, sollte es lesen. Für mich hat es kein „Happy end“, denn Babette kann diesen Abend nicht wiederholen. Sie investierte einen Lotteriegewinn, um die Dorfgemeinschaft und sich selbst glücklich zu machen.  Einmalig. Nachhaltig.

Ich hatte inzwischen schon einige dieser nachhaltigen Abende, mit Gleichgesinnten, mit Genusskomplizen, auch mit echten Künstlern und Meistern wie Babette, die Bestes auf unglaubliche Art mit Liebe zubereiten. Am Grill, im Ofen, in der Pfanne, am Brotbackofen, der Außenküche und im Thermomix von mir aus. Und jeder einzelne Abend bleibt unvergessen.
Trefft Euch,  kocht und backt, genießt Euch und Eure Meisterwerke!
Es muss nicht jedem alles schmecken. Aber dieses Gefühl.... es ist unglaublich, und es bleibt!
 
Da ich heute leider keine Gesellschaft habe, keine Blinis Demidoff backen mag und Schildkrötensuppe aus der Mode ist, weder Entenleber noch Trüffel im Haus, bereite ich mir ein Gericht von Babette auf meine Weise zu.... frische Feigen waren auch nicht zu bekommen. Dafür Aprikosen und ein paar getrocknete Maronenpilze. Und Brust und Leber vom glücklichen Huhn hab ich auch noch.



Dieses Rezept habe ich gefunden und nach meinen Kräften und mit nur einer Wachtel zubereitet:
http://schlemmerkino.de/Babettes_Fest,rezept,-,15

Ich werde die „Cailles en Sarcophage“ (Wachtel im Sarkophag) ganz alleine genießen und an vergangene und kommende Treffen denken.  
Werde auf nichts verzichten und meinen Wachtelfond vom letzten Mal „opfern“ und mein letztes Gläschen Demi Glace von Geflügel. Mit Weinbrand statt Cognac, mit keinem besonderen Madeira....
Und den Blätterteig, den hab ich „machen lassen“.... werde ich aber auch noch in Angriff nehmen, wenn die Zeit reicht. Aber dann für Gäste!  Ich gönne mir eine Label-Rouge-Wachtel aus bäuerlicher Haltung.... würde ich Euch auch gönnen. Bon Appetit!
Dazu ein Glas Lieblingswein, Mosel-Riesling, Babette würde sich im Grabe umdrehen.
Es duftet köstlich..... und ich schließe die Augen.
 
 
 
„Was sich weiterhin an diesem Abend begab, läßt sich hier nicht mit Sicherheit berichten. Keiner von den Gästen hatte später noch eine klare Erinnerung daran. Sie wußten nur, die Zimmer waren erfüllt von einem Himmelslicht, als wären viele kleine Heiligenscheine zu einem mächtigen Strahlenschimmer verschmolzen. (...) Die Zeit sogar verschwamm und mischte sich mit Ewigkeit.“

Gehabt Euch wohl, Gleichgesinnte! Ich bin jetzt satt und melancholisch. Bis bald, Eure Majonn

Kommentare:

  1. Schlicht und ergreifend schön.

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    1. War auch ergriffen, Jutta. An Tagen wie diesen!

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    1. Ich auch..... muss ja noch das zweite Buch kochen :)

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  3. Ein wunderschöner Beitrag, Marion. Danke!

    (Und überleg dir das doch vielleicht noch mal mit dem Film. Der ist nämlich wirklich kunstvoll gemacht. Ganz schlicht, reduziert und atmosphärisch dicht...)

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    1. ok..... ich mag skandinavische Filme.... sehr. Könnte ich mir doch vorstellen!

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  4. Das ist ein wunderbares Rezept und es ist wunderbar beschrieben. Auch ich durfte schon an diesen genussvollen Treffen der facebook Freunde teilhaben und freue mich auf noch viele solcher Zusammenkünfte, die noch kommen werden. .....und ich wünsche mir beim nächstenmal " Cailles en sarcophage "

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    1. Vergiss es.... Hast du schonmal 20 Wachteln entbeint? :D Aber ich freu mich auch!

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    2. ....im Vergleich zu 897 Jacobsmuscheln sind 20 Wachteln ein Klacks ! :D

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    3. :D ok.... du machst das schon :)))))

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  5. Ich hab Tränen in den Augen. Reicht doch, oder?

    Danke M.M.!

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  6. Tania Blixen ist so eine bezaubernde Erzählerin. Die Atmosphäre des Buchs hast Du wunderbar eingefangen. Danke, dass Du mir das schmale Bändchen mal wieder in Erinnerung gerufen hast. PS: Der Film ist durchaus sehenswert.

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    1. Na, dann muss ich ihn vielleicht doch mal schauen... ich hatte bisher meine Zweifel, dass sich eben aus diesem schmalen Bändchen ein Spielfilm mach lässt, ohne viel hinzuzudichten. Aber jetzt bin ich neugierig :-)

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  7. Ich schreibe hier ja selten bis gar nicht, aber das muss ich doch kommentieren!

    Marion, du hast wundervoll geschrieben!
    Du musst ein Mensch mit größter Herzenswärme sein!
    ich bin begeistert!

    Veronika

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  8. Oh Mann ... Mel, Du bist ... und Ihr sowieso ... der Hammer!
    Freu mich so auf das WE .... Thomas, Dir gute Fahrt ;)
    Sonniger Gruß aus dem Kloster ....
    Sanne

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    1. schnief.... Viel Spaß!!! Bin ja "dabei", irgendwie. Und vergesst nicht die Chimichurri-Butter!

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  9. Allerliebste Majonn ...

    Ganz wunderbar geschrieben !!! Chapeau ! Ich freue mich auf alle unsere nächsten Treffen !

    Deine Greta Marija

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    1. Die Countdowns laufen :-)) tic toc tic toc.... :-*

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  10. Sehr, sehr schöne Besprechung. Und der Film ist unbedingt sehenswert; gehört für mich zu den wenigen adäquaten Literaturverfilmungen. Wichtig: Für Nach-dem-Film unbedingt schon ein paar Köstlichkeiten vorbereiten...

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    1. guter Plan! Wir gucken nachher mal, ob man den streamen kann, ansonsten wird bestellt. Jetzt will ich!

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